Mexiko hat trotz seines Rohstoffreichtums, moderner Produktionsstätten weltweiter Unternehmen und den Einnahmen aus dem Tourismus eine große Kluft zwischen arm und reich aufzuweisen. Dies wird auf besonders signifikante Weise in Mexiko-Stadt sichtbar. Luxus-Villen in Coyoacán gehören genauso zum Stadtbild wie Vorstädte fast ohne asphaltierte Straßen (zum Beispiel Valle de Chalco).
Während sich im Norden des Landes, wie in Monterrey, große Industrieanlagen konzentrieren, begegnet man im Süden des Landes indigenen Frauen, die in ihren traditionellen Trachten Früchte auf dem Wochenmarkt darbieten.
Der Umsatz von 100 Mrd. US$, den das staatliche Erdölunternehmen Pemex mit seinen 140.000 Mitarbeitern jährlich erwirtschaftet (Daten 2006), kommt indes kaum der Allgemeinheit zugute. Durch die in Mexiko überall anzutreffende Korruption verschwinden große Summen in den Taschen von Chefs und Politikern. Daraus folgt auch, dass so nicht in neue Techniken zur Erdölförderung investiert wird, sodass die Mexikaner US-amerikanischen Firmen mit besserer Bohrtechnik Lizenzen zur Förderung des Öls im Golf von Mexiko vergeben. Somit kauft der mexikanische Staat letztlich von den USA das eigene Öl zurück, wodurch man sich abhängig macht und mögliche Einnahmen aus dem Export verloren gehen.
Die Gewinne aus dem Tourismus, wie er besonders auf der Halbinsel Yucatán und an der Pazifikküste betrieben wird, werden auch von Unternehmen aus den USA und Europa gemacht, die ihre eigenen Hotelanlagen wie in Cancún aufbauen. (mehr im Hauptartikel zur Wirtschaft Mexikos) Da auch die meisten Hochschulen nur mit viel Geld zugänglich und qualifizierte Arbeitsplätze in der Industrie begrenzt sind, sehen viele Mexikaner keine Zukunft in ihrem Land und wollen auswandern.
Der „American Dream“, wie er schon den europäischen Emigranten des 19. Jahrhunderts als Ideal galt, ist somit für Millionen von Mexikanern die einzig verbleibende Möglichkeit, ein besseres Leben zu suchen. Obwohl die Grenze zum großen Nachbarland gut bewacht ist und sich die Migrationspolitik der USA verschärft hat, leben heute schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung Mexikos als legale und illegale Immigranten „en el otro lado“ - auf der anderen Seite, wie die Menschen jenseits des Río Bravo die USA oft salopp bezeichnen.
Während ein (qualifizierter) Bauarbeiter auf der Construcción durchschnittlich nur acht Euro am Tag verdient, sind es im Norden („en el norte“) auch mal 15 Dollar pro Stunde. Genug, um einen Großteil davon nach Hause zur Familie zu schicken und ihnen somit ein gutes Einkommen zu ermöglichen. Dabei suchen die Südstaaten der USA gerade im Frühjahr Saisonarbeiter, die einfache Feldarbeiten verrichten und für die – anders als für die Amerikaner selbst – ein Stundenlohn von zehn Dollar viel ist. Die Mehrheit der Mexikaner und auch der übrigen Latinos aus dem Süden überqueren dabei die Grenze auf illegale Weise, da sie sich angesichts der gegenwärtigen Gesetzgebung keine Hoffnung machen können, irgendwann legal einreisen und vor allem dort arbeiten zu dürfen.
Nach Schätzungen sterben jährlich 500 Menschen beim Versuch die Grenze zu überqueren oder danach beim langen Marsch durch die Wüste Arizonas oder die Weiten von Texas. Neben dem Ölgeschäft und dem Tourismus stellen somit Geldsendungen aus den USA eine der Hauptstützen des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts dar. Dabei machen auch amerikanische Banken große Umsätze, denn die Mexikaner haben meist kein Bankkonto, sodass sie das Bargeld am Schalter einzahlen und auch wieder abholen müssen (es fallen Umtauschgebühren von Dollar in Peso und Personalkosten an).
Die erhoffte kulturelle Vermischung in den USA nach der Theorie des „melting pot“ findet allerdings kaum statt, die Spanisch sprechenden Einwanderer bleiben eher unter sich. Nach einigen Jahren des Geldverdienens wollen die meisten Mexikaner zurück in ihr Land, obwohl dies oft ungewollt auch schon vorher durch Abschiebungen der Migrationsbehörden passieren kann. Viele Emigranten rutschen trotz guter Vorsätze in den USA in ein kriminelles Milieu ab, konsumieren Drogen etc.
Wie sie selbst sagen liegt der einzige Weg, um die massenhafte Auswanderung zu stoppen, darin, dass Mexiko selbst den jungen Menschen Arbeit- und Ausbildungsplätze, also eine Zukunft bietet.
Als Reisender oder Freiwilliger wird man der Migrationsproblematik auf jeden Fall begegnen und es lohnt, sich einmal mit den Einheimischen darüber zu unterhalten. Wer die Grenze zu den USA besucht, sollte sich allerdings sehr vorsichtig verhalten, nachts nicht allein auf die Straße gehen und keine großen Geldmengen mit sich herumtragen. Die aus Tijuana berüchtigte Kriminalität, die Prostitution, der Drogenhandel usw. sind leider keine Klischees.